Exkursion ins Naturkundemuseum Stuttgart
Austausch mit Moos-Experten
Am Montag, dem 19. Januar, besuchte eine MINT-AG das Naturkundemuseum Stuttgart, um sich im Rahmen ihres aktuellen Forschungsthemas „Moose“ mit Experten auszutauschen. Ziel der Exkursion war es, fachliche Impulse für die Weiterentwicklung des eigenen Prototyps einer Mooswand zu gewinnen.
Fachlich begleitet wurde die Gruppe von Herrn Dr. Thomas Kiebacher, der Einblicke in seine wissenschaftliche Arbeit gab. Zusätzlich führte Herr Dr. Holger Thüs, stellvertretender Abteilungsleiter der Botanik und Kurator, die Schülerinnen und Schüler durch das Herbarium am Museum Löwentor – einen Bereich, der normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Das Herbarium beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Blütenpflanzen, Pilzen, Flechten und Moosen. Zum Schutz dieser empfindlichen Bestände gelten strenge Hygieneregeln: Der Zutritt ist ausschließlich mit Überziehschuhen erlaubt, und das Einbringen fremder Organismen ist untersagt, um Kontaminationen zu vermeiden. Besonders beeindruckend war die Betrachtung über 150 Jahre alter Moosproben aus Heidelberg. Diese historischen Exemplare ermöglichen Rückschlüsse auf frühere klimatische Bedingungen sowie auf damalige Umweltbelastungen, etwa durch Feinstaub.
Ein praxisnahes Beispiel lieferte ein ehemaliges Mooswandprojekt der Stadt Stuttgart an der B14. Die Wand bestand unter anderem aus grauem Zackenmützenmoos, erwies sich jedoch nicht als dauerhaft erfolgreich. Als Gründe wurden starke Winde, Algenbewuchs, die Ansiedlung anderer Moosarten sowie die senkrechte Ausrichtung der Wand genannt, da Moose an vollständig vertikalen Flächen nur eingeschränkt wachsen können. Diese Erkenntnisse waren für das eigene Projekt der MINT-AG besonders wertvoll.
Im anschließenden Beratungsgespräch stellte die AG ihren eigenen Prototyp vor. Diskutiert wurden insbesondere die derzeitige Befestigung des Mooses mit Bienenwachs, die notwendige Luftzirkulation sowie alternative Konzepte wie das Leiten von Abluft durch einen Moosfilter. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass eine übermäßige Bewässerung das Wachstum von Algen begünstigt und daher vermieden werden sollte.
Ein weiteres Highlight war die Demonstration eines Elektronenrastermikroskops, mit dem die Anlagerung von Feinstaubpartikeln auf den Papillen der Moose sichtbar gemacht wurde. Dabei wurde erläutert, dass der Begriff „Feinstaub“ lediglich die Partikelgröße beschreibt, nicht jedoch deren Zusammensetzung. Feinstaub kann unter anderem aus Plastik, Gummi, Salzen, natürlichen Materialien oder Schimmelpilzen bestehen – ein wichtiger Aspekt bei der Bewertung von Umweltbelastungen.
Zum Abschluss untersuchten die Schülerinnen und Schüler ihre mitgebrachten Moose unter dem Lichtmikroskop. Da die MINT-AG bereits ein eigenes Herbarium angelegt hat, unterstützte Herr Dr. Kiebacher die Gruppe bei der Bestimmung der Arten.
Die Exkursion ermöglichte einen intensiven Einblick in wissenschaftliche Arbeitsweisen. Mit zahlreichen neuen Erkenntnissen und Ideen geht das Projekt nun in die nächste Entwicklungsphase.




















