Demokratie beginnt im Klassenzimmer
Wie Schülerinnen und Schüler demokratische Prozesse erleben, Verantwortung übernehmen und Schule mitgestalten
Demokratie lernt man nicht allein aus Büchern. Man muss sie erleben.
Wie fühlt es sich an, eine Entscheidung gemeinsam zu treffen? Was bedeutet es, seine Stimme abzugeben? Was macht eine faire Wahl aus? Und was heißt es eigentlich, Verantwortung für andere zu übernehmen?
Antworten auf diese Fragen entstehen dort, wo Demokratie nicht nur Unterrichtsgegenstand bleibt, sondern Teil des schulischen Alltags wird. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte und gesellschaftlicher Zusammenhalt immer wieder neu ausgehandelt und verteidigt werden müssen, kommt Schulen dabei eine besondere Bedeutung zu. Demokratiebildung bedeutet deshalb auch, Kindern und Jugendlichen Räume zu eröffnen, in denen sie Beteiligung ganz konkret erfahren können.
Einer dieser Räume ist die Klassensprecherwahl.
Was auf den ersten Blick wie ein kleiner organisatorischer Programmpunkt zu Beginn eines Schuljahres erscheinen mag, ist im Grunde bereits ein demokratischer Prozess im Kleinen. Schülerinnen und Schüler stellen sich zur Wahl, präsentieren ihre Vorstellungen, hören einander zu, wägen ab und treffen schließlich eine persönliche Entscheidung. Dabei erfahren sie ganz unmittelbar: Meine Stimme zählt – und die Stimmen der anderen zählen genauso.
An der Max-Eyth-Realschule kann dieser Prozess seit diesem Schuljahr auch digital und spielerisch begleitet werden. Mit einer eigens für die Klassensprecherwahl entwickelten Web-App durchlaufen die Klassen verschiedene Stationen. Zunächst setzen sie sich damit auseinander, welche Aufgaben mit dem Amt verbunden sind. Anschließend stellen sich die Kandidatinnen und Kandidaten vor und können in einem kurzen Pitch erklären, warum sie ihre Klasse vertreten möchten.
Danach wird es spannend: Über einen QR-Code gelangen die Schülerinnen und Schüler auf ihren persönlichen digitalen Wahlzettel und geben ihre Stimmen geheim ab. Bei einem Gleichstand führt das System durch die notwendige Entscheidungsrunde.
Die Technik steht dabei bewusst nicht im Mittelpunkt. Sie schafft vielmehr einen zeitgemäßen Rahmen für etwas, das wesentlich wichtiger ist: eine faire Wahl, eine bewusste Entscheidung und die Erfahrung demokratischer Beteiligung.
Die gewählten Klassensprecherinnen und Klassensprecher vertreten die Interessen ihrer Klassen und werden Teil der SMV (Schülermitverantwortung) unserer Schule. Dort begegnen sich die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Klassen und beschäftigen sich mit Themen, die über die eigene Klasse hinausreichen. Nach den Regelungen zur SMV wählen die Klassensprecherinnen und Klassensprecher sowie ihre Stellvertretungen grundsätzlich auch die Schülersprecherin oder den Schülersprecher und können über die SMV an der Gestaltung des Schullebens mitwirken.
Aus einer einzelnen Stimme im Klassenzimmer kann so Schritt für Schritt echte Beteiligung an der Schule werden.
Und genau darin liegt eine wichtige Erfahrung: Demokratie bedeutet nicht nur, wählen zu dürfen. Sie bedeutet auch, zuzuhören, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, Verantwortung zu übernehmen, Interessen zu vertreten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Schule kann und soll ein Ort sein, an dem junge Menschen diese Erfahrung machen.
Ein besonderer Dank gilt deshalb allen Schülerinnen und Schülern, die bereit sind, Verantwortung für ihre Klasse und unsere Schulgemeinschaft zu übernehmen. Dieses Engagement ist keineswegs selbstverständlich.
Ganz besonders gratulieren wir auch unserer neu gewählten SMV-Spitze Marileen Müller-Kühne, Lena Klöpfer und Marie Winter.
Demokratie beginnt nicht erst mit 18 an der Wahlurne.
Sie beginnt dort, wo junge Menschen erfahren, dass ihre Stimme gehört wird und dass sie etwas mitgestalten können.




Foto: Ronny Zimmermann / Württembergischer Fußballverband (wfv)







Foto: Ronny Zimmermann / Württembergischer Fußballverband (wfv)